Im aktuellen “Schrägstrich”, der Mitgliederzeitschrift des grünen Bundesverbandes, habe ich gemeinsam mit dem grünen Landesvorsitzenden aus NRW, Sven Lehmann, in einer Pro-Contra-Diskussion dargelegt, warum wir eine Kita-Pflicht für alle Kinder im Jahr vor der Einschulung richtig finden. Hier unser Text:
Jedes Kind hat ein Recht darauf, frühzeitig und bestmöglich gefördert zu werden. Frühe Bildungsangebote eröffnen enorme Chancen: Durch den Besuch einer Kinderkrippe erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, das Gymnasium zu besuchen, um insgesamt fast 40 Prozent, bei Kindern aus Zuwandererfamilien sogar um 55 Prozent. In unserer Gesellschaft wird die Bedeutung der Kita leider noch immer unterschätzt. Dies drückt sich nicht nur in den Anforderungen an die Qualifizierung der ErzieherInnen, deren unangemessen niedriger Bezahlung und in den Kita-Gebühren aus, sondern auch in der reinen Freiwilligkeit des Kita-Besuchs. Die von uns Grünen geforderte Gebührenfreiheit wird nicht dazu führen, allen Kindern den Besuch der Kita zu ermöglichen. Deshalb sollte die Kita zumindest im Jahr vor der Einschulung verpflichtend sein. Wichtig ist: Zu einer „Verschulung“ der Kita mit Lernen nach festen Curricula etc. darf es nicht kommen. Es geht um spielerisches Lernen, um die gemeinsame Entwicklung, um ein Voneinanderlernen und auch um besondere Angebote für die Kinder, die in ihren Familien kaum Anregungen erfahren. Dass ein großer Teil der Eltern offen für eine Kita-Pflicht ist, zeigt eine Forsa-Umfrage der Zeitschrift „Eltern“: 70 Prozent befürworteten eine Kindergartenpflicht für einen “Halbtagsplatz ab dem vierten, spätestens dem fünften Geburtstag”.
Eine Kita-Pflicht würde auf institutioneller Ebene eine längst überfällige Aufwertung der Kita mit sich bringen und auf individueller Ebene dem Recht jedes einzelnen Kindes auf Bildung, auf frühzeitige Förderung und gleiche Chancen Nachdruck verleihen. Dieses Recht muss ständig auf unserer politischen Agenda sein. Bund, Länder und Kommunen wären verstärkt in der Pflicht, die Kitas besser und damit endlich angemessener auszustatten. Viele Gründe, eine Kita-Pflicht ernsthaft zu diskutieren.
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Ich bin gegen eine KiTa-Pflicht, zumindest solange die Voraussetzungen dafür nicht stimmen. Es wäre sozusagen gefährlich für die Finanzen der Eltern, wenn erst die KiTa-Pflicht durchgesetzt wird und dann damit die Gebührenfreiheit und die Qualitätsverbesserungen begründet werden. Das muss andersherum laufen, allein wegen der Akzeptanz der Maßnahmen.
Und dann noch eine Ganztagsschule obendrauf, dann kann man die Unterbrechungen im Lebenslauf wegen Kindererziehung kurz halten.
Liebe Frau Dörner, wie kommen Sie dazu, sich so tief in die Angelegenheiten von Familien einzumischen? Wir haben zwei Kinder und halten es für selbstverständlich, dass WIR entscheiden, ob und wann unsere KLEINEN Kinder in eine Kita gehen!
Es handelt sich bei den Kindern nicht um eine kleine Ausgabe von Erwachsenen, die man einfach irgendwohin abgeben kann, um dem Arbeitsmarkt möglichst schnell wieder zur Verfügung zu stehen. Es handelt sich um KLEINE Kinder, die eine Bezugsperson brauchen, was durch diverse Studien belegt wird. Nach unseren Erfahrungen (unser ältester Sohn kommt nächstes Jahr in die Schule) gehen insbesondere die älteren Kinder in altersgemischten Gruppen unter, weil das Personal sich vornehmlich um das Windelnwechseln und die Betreuung der kleineren Kinder kümmern muss. Wer selber Kinder hat, der weiß, wieviel Zeit ein kleines Kind in Anspruch nimmt – und hierbei meine ich nicht einmal das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes, sondern lediglich den “pflegerischen Aufwand” (Windeln wechseln, Hilfe beim Essen und trinken, usw.). Bei der derzeitigen Überlastung des Personals in den Kitas kann man kaum von einer individuellen Betreuung und schon garnicht von einer individuellen Förderung der Kinder sprechen. Dies ist bei 15 Kindern in einer altersgemischten Gruppe mit zwei Erzieherinnen bzw. Erziehern schlicht nicht zu leisten!
Hier wird im Schnellschuss wieder einmal Arbeit auf das Personal abgeschoben – mit unguten Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Kinder UND des Personals – und mit unguten Auswirkungen auf die vielbeschworene “Förderung”.
Wo bitte haben gerade die älteren Kinder die Möglichkeit, auf eine 1:1 (oder 1:2) -Förderung zuzugreifen, wie sie immer noch in Familien selbst gegeben ist?
Und wie kommt die Politik dazu, uns vorzuschreiben, wann wir unsere Kinder “abgeben” sollen? Es gibt durchaus noch Eltern, die von den aktuell in den Kitas vorgefundenen Gegebenheiten nicht überzeugt sind und die sich ihre Kinder nicht auf Anordnung von oben “wegnehmen” lassen möchten! Wir erziehen unsere Kinder selbst und sehen uns als diejenigen, die entscheiden, ob und wann unsere Kinder welche Einrichtungen besuchen! Dies bringt beruflich natürlich Nachteile – von den Einkommensverlusten einmal ganz abgesehen – aber das ist uns unsere Entscheidung wert!
Auf dem Rücken unserer Kinder wird die verfehlte (Integrations-)Politik der letzten Jahrzehnte nicht ausgetragen werden!
Interessanter Blogeintrag, Weiter so!