Direkt zum folgenden Bereich:
  1. Hauptnavigation
  2. Inhalt
  3. Themenübersicht
  4. Suche
  5. Links
  6. Adresse



Inhalt

Kein Kind zurück lassen – Ein Kommentar zum UNICEF-Bericht 2013

UNICEF hat heute seinen Bericht „Reiche, kluge, glückliche Kinder?“ vorgestellt und auf die Situation der vielen von Armut betroffenen Kinder hingewiesen. Zwar sind die meisten Kinder in den Industriestaaten, so auch in Deutschland, mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Dies darf aber nicht den Blick darauf verstellen, dass auch in einem reichen Land wie unserem eine erhebliche Zahl von Kindern dauerhaft – mehr als eine Drittel ihrer Kindheit – in Armut lebt und unter den Folgen den Rest seines Lebens leidet. So haben zwischen 2000 und 2010, den Ergebnissen einer Längstschnittstudie zufolge, rund 8,6 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen solche langfristigen Armutserfahrungen gemacht. Hier besteht enormer Handlungsbedarf, auch weil die Forschung sich weitestgehend einig ist, dass Menschen, die in ihrer Kindheit dauerhaft in Armut gelebt haben, mit sehr negativen Folgen zu leben haben. Die Betroffenen fühlen sich nicht nur als Kinder ausgegrenzt, sondern sind auch als Erwachsene deutlich unzufriedener mit ihrem Leben.

Kein Kind zurückzulassen heißt, dass wir uns immer wieder fragen müssen, warum und auch wo Kinder in Deutschland besonders unglücklich sind. Die Autoren der UNICEF-Studie, allen voran Prof. Dr. Hans Bertram, haben hierzu verschiedenste Indikatoren entwickelt. Das ganzheitliche kindliche Wohlbefinden ergibt sich nach dem Unicef-Konzept aus den zentralen Dimensionen des Lebens: den materiellen Bedingungen, der Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Verhalten und Risiken sowie Wohnen und Umwelt. Wichtig ist bei der Erhebung die subjektive Meinung der Kinder selbst.

Wir müssen mit Hilfe dieses Konzeptes die individuelle Situation und die regionalen Gegebenheiten stärken in den Blick nehmen. Wo reichen die Angebote der Armutsprävention nicht auch oder erreichen die Kinder gar nicht? Wir müssen mit viel größerer Aufmerksamkeit Modelle entwickeln, die die betroffenen Kinder, ihre Eltern und das System Familie unterstützen. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist mit Blick auf die Angebote der frühkindlichen Bildung hier von zentraler Bedeutung; aber wir müssen ebenso mehr für die Eltern tun. Meiner Meinung nach sind Eltern-Kind-Zentren eines der positiven Beispiele. Und natürlich ist die finanzielle Familienförderung genauso gefragt. Aus der Evaluation der familienbezogenen Leistungen müssen schnell Konsequenzen gezogen werden. Wir brauchen einen Fahrplan und zeitnah zumindest eine erste Reform der Instrumente, damit diese viel stärker als bisher Kinder erreicht, die in Armut leben und von Armut betroffen sind. Ziel muss eine Kindergrundsicherung sein, die sich daran orientiert, dass alle Kinder dem Staat gleich viel wert sind und Schluss macht mit der Privilegierung von Familien mit hohem Einkommen.

Kommentare

Einen Kommentar schreiben: