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Eltern entlasten – mehr Zeit für Kinder ermöglichen

Am Montag hat die Bundesfamilienministerin Schwesig die Familienarbeitszeit vorgestellt. Franziska Brantner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik und ich finden: So richtig es ist, Familien mehr Zeit zu geben und die von den meisten Eltern gewünschte partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zu unterstützen, als so wirkungslos wird sich ihr Familiengeld erweisen. In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau, den ich hier dokumentiere, machen wir deutlich: Wer in mehr Zeit für Familien investieren möchte, er sollte auch alle Familien erreichen. Ein zielgerichtetes Instrument wäre unsere KinderZeit Plus.

Immer noch ist es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht allzuweit her; viele Familien stoßen hier an ihre Grenzen. Was passiert? Meist steigen die Mütter aus dem Job aus oder arbeiten in Teilzeit, während die Väter als Alleinernährer dastehen – ob sie es wollen oder nicht. Die Aufgabenteilung innerhalb der Familie wirkt damit auch im 21. Jahrhundert immer noch wie aus Omas Mottenkiste. Dabei wissen wir aus unzähligen Befragungen, dass jede zweite Mutter gerne mehr und fast 80 Prozent der Väter gerne weniger arbeiten würden. Was nach einer einfachen Rechnung klingt, geht in der Realität oftmals nicht auf: Von der gewünschten partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit sind die meisten Familien noch immer weit entfernt.

Die von der Familienministerin vorgestellte „Familienarbeitszeit“ wäre bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie sieht eine finanzielle Unterstützung für jene Eltern vor, die beide zwischen 32 und 36 Stunden berufstätig sind. Nicht nur, dass das ein sehr enges Korsett darstellt, würde es nur einen kleinen Teil der Eltern erreichen. Das Familiengeld verbliebe bei einer Signalwirkung für gut verdienende Doppelverdienerpaare. Es werden diejenigen aus dem Blick verloren, die unter einer Doppelbelastung aus Zeitdruck und geringem Einkommen besonders leiden.

Es wird Zeit, dass Frauen und Männern mehr Selbstbestimmung über eines ihrer wichtigsten Güter zurückbekommen: ihre Zeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf keine „Alles ist möglich Lüge“ mehr sein. Wir müssen endlich anerkennen, dass es Phasen im Leben gibt, in denen Menschen mehr Zeit für die Familie brauchen. Und wir müssen ihnen dies auch tatsächlich ermöglichen. Leider können auch wir Grünen den Menschen nicht mehr Zeit schenken. Aber wir können die Familienpolitik so ausrichten, dass Familien so leben können, wie sie es sich selbst vorstellen. Wichtig ist, dass auch berufstätige Eltern – Väter wie Mütter – mehr Zeit für ihre Kinder haben und Erwerbs- und Familienarbeit fair untereinander aufteilen können. Deshalb wollen wir Familien konkret in ihrem Alltag unterstützen und ihnen Gestaltungsspielräume verschaffen.

Mit der grünen KinderZeitPlus wollen wir Eltern ermöglichen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich wünschen, aber bislang kaum umsetzen können: als partnerschaftlichere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit. Diese Aufteilung unterstützen wir konkret durch die Verlängerung der Vätermonate. Und wir schaffen Anreize für Mütter, schnell wieder berufstätig zu sein, ohne sofort in Vollzeit arbeiten zu müssen. Gleichzeitig setzen wir Anreize für Väter, ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

Und so funktioniert es: Die KinderZeitPlus denkt das bewährte Elterngeld weiter und ergänzt es um eine flexible Lohnersatzleistung über die ersten 14 Lebensmonate hinaus. Von den insgesamt vorgesehenen 24 Monaten sind acht Monate für die Mutter und acht Monate für den Vater reserviert. Acht weitere Monate können die beiden untereinander aufteilen. Damit erhöhen wir die Beteiligung der Väter, wenn die Eltern die KinderZeitPlus voll ausschöpfen wollen. Alleinerziehenden stehen die vollen 24 Monate zur Verfügung. Beide Elternteile können im ersten Lebensjahr des Kindes – nacheinander oder gleichzeitig – vollständig oder teilweise aus dem Beruf aussteigen. Gibt es beim ElterngeldPlus immer nur die Hälfte des Elterngeldes, unabhängig davon, wie viele Wochenstunden die Eltern arbeiten, und zwingt Schwesigs „Familienarbeitszeit“ beide Elternteile gleichzeitig in ein enges Korsett zwischen 32-36 Wochenstunden, überlassen wir den Eltern die Entscheidung, wer die Arbeitszeit um wie viele Stunden reduziert. Außerdem ist die KinderZeitPlus sehr flexibel und passt so ins Leben vieler Familien: Denn wenn die Eltern z.B. 30 Stunden in der Woche arbeiten, „verbrauchen“ sie ihren Anspruch zu einem Viertel und können die Leistung vier Mal so lange in Anspruch nehmen. Und weil nicht nur kleine Kinder mehr Zeit mit ihren Eltern brauchen, kann die KinderZeitPlus bis zum 14. Geburtstag des Kindes genutzt werden. So können Schulwechsel oder die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens mit mehr Zeit besser begleitet werden.  Eltern brauchen Zeit, gute Kitas und gute Schulen und eine solide materielle Absicherung. Die KinderZeitPlus ist ein wichtiger Baustein in diesem Dreiklang. Sie schafft mehr Zeit für Kinder, eine gleichberechtigtere Aufteilung der Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen Müttern und Vätern und verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf einem Level, den Väter und Mütter sich tatsächlich wünschen – vollzeitnah, aber nicht immer Vollzeit.

Mit diesem „Mehr“ an guter Arbeit und Zeit für Kinder passen die einzelnen Puzzleteile des Alltags wieder besser zusammen.

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