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 „Deutschland ein bisschen besser verstehen“ – Eindrücke vom Engagement Internationaler Freiwilliger in Bonn

„Ich verstehe Deutschland ein bisschen besser“, sagt die russische Freiwillige Oksana Kutyreva. „In meinem Germanistik-Studium habe ich vor allem Bücher über Deutschland gelesen und Videos geschaut. Jetzt habe ich Kontakt mit den Menschen.“ Oksana, 26, engagiert sich als eine von über 2500 sogenannten Incoming-Freiwilligen für zwölf Monate in Deutschland. In der Bonner Einrichtung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) Heilpädagogische Hilfen (HPH) Netz Ost sind sie und zwei weitere jungen Menschen aus der ganzen Welt in den unterschiedlichen Bereichen der sozialen Einrichtung als Freiwillige aktiv.

Am Montag den 3. Juli traf Katja Dörner, Grüne Bundestagsabgeordnete aus Bonn und Mitglied im Familien- und Jugendausschuss, mit Oksana sowie Regina Seraly, 29 aus Madagaskar und Vertreter*innen der Einrichtung zusammen. Sie sprachen über die individuellen Erfahrungen und Chancen eines sogenannten Incoming-Freiwilligendienstes in Bonn. „Ich bin beeindruckt, wie viel Lust am Engagement in Deutschland die jungen Menschen mitbringen“ sagt Frau Dörner. „Zudem können sie während ihres Dienstes einen Realitätscheck machen. Sie haben die Chance, hier viel kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen. Dafür bieten sie ihre Zeit, Ideen und tatkräftige Unterstützung an.“

Alexandra Vollbach, Regionalleiterin des LVR HPH Netz Ost, fügt hinzu: „Wir sehen jedes Jahr wieder, wie wertvoll es ist internationale Freiwillige aufzunehmen und erleben sie als wertvolle Unterstützung. Sie bieten uns die Gelegenheit, neue Perspektiven zu gewinnen und wir können den Freiwilligen Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Handicap bieten.“ Für den Einrichtungsleiter, Martin Klingbeil, zeigt sich der Mehrwert der Aufnahme von internationalen Freiwilligen vor allem darin, dass sowohl die Klienten, Betreuten als auch Mitarbeitende Menschen mit anderen Erfahrungen und kulturellen Vorstellungen kennenlernen können. „So internationalisiert sich das Miteinander Stück für Stück und es gibt mehr Vielfalt.“ Der Prozess läuft dabei nicht ohne Missverständnisse und Schwierigkeiten ab. Am Ende lernt jedoch das jeweilige Team und somit die Organisation immer wieder neue Perspektiven dazu, es ist ein kontinuierliches Geben und Nehmen.

Koordiniert wird der internationale Dienst von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD) mit Sitz in Bonn. Dorothee Bach, Ansprechpartnerin für die Freiwilligen und Einrichtungen sieht den Mehrwert des Austauschs darin, dass die jungen Menschen sich persönlich weiterentwickeln und aus ihrer Komfortzone herauskommen können. „Während begleitender Seminare, regelmäßiger Besuche und durch telefonischen Kontakt sind wir kontinuierlich im Austausch. So können wir bei Krisen, Konflikten und sonstigen Schwierigkeiten die Incoming-Freiwilligen unterstützen.“ Während des Jahres bekomme sie so mit, wie die Teilnehmenden sich weiterentwickeln und neue Sichtweisen auf das Leben in Deutschland, ihre Heimat und die globalisierte Welt gewinnen.

Für Regina aus Madagaskar war es schon lange ein Wunsch einen Freiwilligendienst zu machen um Menschen zu helfen. Auch wollte sie insbesondere das Leben in Deutschland und die Kultur besser kennen lernen. Als Freiwillige im Bereich der heilpädagogischen Hilfe unterstützt sie das Team bei der Tagesbetreuung von Menschen mit Handicap. „Mir macht es viel Spaß den Menschen zu helfen und zu erleben, wie sie sich freuen. Jedes Lächeln ist ein Geschenk.“ Für Regina hat sich ihr Verständnis von Kommunikation vervielfältig. „Wir können uns nicht immer mit Worten unterhalten,“ so die junge Frau aus Madagaskar, „aber ich erlebe täglich, welche weiteren Kommunikationsformen es neben Sprache noch gibt.“ Oksana fügt hinzu: „Unsere Unterstützung ist oft nicht direkt zu sehen. Aber die Betreuten geben mir immer wieder das Gefühl, das es gut ist, das ich da bin.“

Ein Incoming-Freiwilligendienst bietet den Beteiligten die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden der jeweiligen sozialen, ökologischen, ökonomischen und politischen Gegebenheiten. Die Incoming-Freiwilligen kommen ebenso mit inländischen Freiwilligen zusammen wie mit Menschen, die bisher nur wenig Kontakt mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen haben, mitunter sogar Berührungsängste.

Frau Dörner würdigt am Ende das internationale soziale Engagement der Freiwilligen und der Einrichtung in ihrem Wahlkreis und kündigt weitere Unterstützung an. Sie stellt fest: „Die Möglichkeit der Teilnahme von internationalen Freiwilligen am Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten. Sie fördert das Miteinander in einer globalisierten Welt, die Integration und Akzeptanz.“

Während Oksana und Regina in einigen Wochen ihre Koffer packen, warten schon drei neue Freiwillige aus Madagaskar, Armenien und Russland gespannt auf den Beginn ihres Dienstes im LVR HPH Netz Ost. Regina resümiert: „Es war toll dieses Jahr. Ich habe viele Menschen getroffen und neue Freunde gefunden. Ich kann einen Freiwilligendienst in Deutschland nur empfehlen.“ (TS)

Pressekontakt und Koordination: Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. (AKLHÜ), BFD Incoming Zentralstelle, Tore Süßenguth, suessenguth@entwicklungsdienst.de, 0228/90 899 24

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