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Berlin Reisebericht von Omar Karam und Khaled Al Ali

Auf Einladung von Katja Dörner (Bündnis ’90/Die Grünen) durfte die Dr. Moroni Stiftung vom 24. bis 27. April vierzehn junge Syrer mit Fluchtgeschichte zur politischen Bildung nach Berlin mitnehmen. Die Reise wurde vom Informationsamt der Bundesregierung organisiert.

Omar Karam und Khaled Al Ali sind seit 2015 in Deutschland und haben sich 2016 bei einem Integrationskurs in Bonn kennengelernt. Seit dieser Zeit sind sie sehr gute Freunde. Seit Anfang 2018 nehmen sie regelmäßig an Integrationsprojekten der Dr. Moroni Stiftung teil.  Gemeinsam mit zwölf jungen Syrern haben sie vier spannende und erlebnisreiche Tage in Berlin erleben dürfen. In ihren Reiseberichten möchten die beiden Bonnerinnen und Bonner davon teilhaben lassen:

Omars Bericht

Mein Name ist Omar Karam und ich bin 22 Jahre alt. Mit der Dr. Moroni Stiftung und den Grünen Bonn durfte ich vom 24. bis 27. April 2018 mit einer Reisegruppe nach Berlin fahren.

Ich habe mich lange auf die Reise gefreut, weil ich noch nie in Berlin war. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und besonders war ich gespannt, Teile der Berliner Mauer zu sehen. Am Dienstag ging es dann endlich los. Nach einer gemütlichen ICE Fahrt aus Bonn kamen wir am Nachmittag in Berlin an. Bei unserem ersten gemeinsamen Mittagessen mit unserer großen Gruppe von insgesamt 45 Teilnehmern habe ich schon ein paar neue nette Leute aus Bonn kennengelernt. Nach dem Essen sind wir dann zusammen zum Suites Novotell Hotel, direkt am Potsdamer Platz, gefahren und haben eingecheckt. Das Hotel war super, insbesondere das Zimmer von Khaled und mir hat uns großartig gefallen. Am ersten Abend habe ich das Zentrum von Berlin Mitte mit ein paar Freunden aus unserer Gruppe erkundet. Wir waren auch Kaffee trinken und ließen den Abend aufklingen.

Am Mittwoch fing der Tag mit einer Sightseeing-Tour an. Unsere tolle Reiseführerin Anette hat uns sehr viel über die Geschichte und Kultur von Berlin erzählt. Danach haben wir das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas besucht. Ich kannte die Gedenkstätte vorher nicht und habe mir den Begriff „Mahnmal“ erklären lassen. Ich war sehr traurig, weil ich mir vorgestellt habe, dass Millionen von Menschen unschuldig ermordet wurden.

Am Nachmittag sind wir zum Bundesrat gefahren. Ich wusste durch den Orientierungskurs, dass dort über Gesetze entschieden wird und dort die 16 Bundesländer vertreten sind. Besonders die Architektur hat mich beeindruckt und die Bilder, wie der Bundesrat vor der Wende aussah im Vergleich zu heute nach der teuren Restauration von mehr als 100 Millionen Euro. Am späten Nachmittag hatten wir dann frei. Gemeinsam mit der syrischen Gruppe sind wir dann zur Sonnenallee nach Kreuzberg gefahren. Die Sonnenallee ist eine bekannte Straße mit vielen arabischen Geschäften und Restaurants. Auf Arabisch nennt man die Allee „die Straße der Araber“, sie hat mich sehr an Syrien erinnert. Wir waren in ein paar Geschäften und haben syrische Süßspeisen für uns gekauft und sind danach ins Restaurant Damaskus gegangen. Dort haben wir uns über die alten Zeiten vor dem Krieg in Syrien unterhalten, gemeinsam gegessen und das Champions League Halbfinale zwischen Real Madrid und Bayern München geschaut. Der Abend war lang und lustig, so wie es in Syrien immer war, wenn wir uns in der Stadt abends getroffen haben.

Der Donnerstag war der beste Tag für mich. Die Zeit verging wie im Flug. In unserer zweiten Stadtrundfahrt haben wir das Regierungsviertel mit den vielen interessanten Botschaften besichtigt. Am schönsten fand ich die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir waren auch am Tiergarten und mir ist aufgefallen, wie grün Berlin ist.  Apropos grün: Nach der informativen Stadtrundfahrt waren wir zu Gast in der Geschäftsstelle der Grünen. Dort wurden wir von einem Mitarbeiter des Hauses begrüßt und über die Arbeit der Partei aufgeklärt. Mich freut es sehr, dass sich die Grünen Flüchtlinge unterstützen und sich für den Familiennachzug einsetzen. Nach einem Planspiel in einer Bundestags-Simulation mit unserer Gruppe sind wir dann zum Deutschen Bundestag gefahren. Nachdem wir die Sicherheitskontrollen passiert haben, durften wir eine Debatte live mitverfolgen. Ich war sehr erstaunt, wie ruhig jeder Politiker seine Meinung frei äußern und ungestört im Bundestag reden durfte. Besonders die hohe Transparenz von Politik hat mich sehr beeindruckt. Danach haben wir Katja Dörner kennengelernt und mit ihr ein paar Fotos gemacht. Es hat uns sehr gefreut, dass wir von ihr nach Berlin eingeladen wurden. Zum Schluss sind wir ins Hotel gefahren und weil es der letzte Abend war, sind wir mit unserer Gruppe in eine Shishabar gefahren. Dort haben wir einen tollen letzten Abend verbracht und uns über unsere vielen Eindrücke unterhalten.

Am Freitag waren wir im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Für mich war das Informationsgespräch der letzte, aber auch einzige langweilige Programmpunkt in Berlin, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Bonn machten. Die Zugfahrt nach Bonn war übrigens legendär. Wir haben im Zug auf arabische Musik getanzt und der ganze Zug hatte gute Stimmung. Leider hat mich mein Mentor Ramy Azrak auf der Zugfahrt in Schach besiegt.

Insgesamt hatten wir eine tolle Zeit in Berlin. Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Es war an allen Tagen sonnig und warm. Die Reise war super organisiert und ich werde mich lange an dieses Erlebnis erinnern. Mein Dank gilt Dr. Moroni, Ramy Azrak, Katja Dörner und Holger Koslowski.

 

Khaleds Bericht

Ich bin Khaled Al Ali, 27Jahre jung und aus Syrien. Durch meinen Integration-Mentor Ramy Azrak wusste ich von der informationspolitischen Reise nach Berlin und ich habe mich sehr gefreut mit meinem Cousin Raeed, meinem besten Freund Omar und anderen netten Syrern mitfahren zu dürfen.

Am ersten Tag trafen wir uns am Bonner Hauptbahnhof. Wir kamen voller Vorfreunde zum Treffpunkt und haben gute Laune mitgebracht. Unsere Reisegruppe war sehr vielfältig. Viele Altersgruppen und Kulturen waren dabei, was ich sehr spannend fand. Ich habe erste neue Bekanntschaft gemacht und wir lernten die große Reisegruppe schon auf der Zugfahrt kennen. Am Hauptbahnhof in Berlin hat unsere nette Reiseleiterin Anette auf uns gewartet. Wir fuhren von dort zum Restaurants „Peking“ und aßen dort lecker zu Mittag.  Nach dem Einchecken in das Hotel habe ich in meinem Zimmer in der fünften Etage den ersten Eindruck von Berlin bekommen und die Aussicht genossen. Jetzt kam das Berlin-Feeling nach der Vorfreude so richtig hoch. Den ersten Abend in Berlin hatten wir kein Programm und so konnte ich und mein Cousin Raeed meine Cousine Amira, die in Berlin lebt, besuchen. Wir haben sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen und wir haben einen sehr schönen Abend miteinander verbracht. Amira hat für uns mein syrisches Lieblingsgericht Freekeh (grüner Weizen) mit Hühnchen gekocht.

Am nächsten Tagen haben wir nach dem Frühstück im Hotel eine Stadtrundfahrt gemacht und im Bundesrat über die Geschichte des Hauses sehr viel erfahren. Das Haus wurde 1904 errichtet. Die Weimarer Republik zwischen 1919 und 1933 ist eng mit dem Haus verbunden. Heute steht das Haus nach der Gründung des Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 für Vielfalt in Deutschland, nicht nur politisch sondern auch kulturell. Ich interessiere mich sehr für Geschichte und es war sehr interessant für mich von Experten über die Geschichte Deutschlands mehr zu erfahren.

Nach dem sehr schönen Programmpunkt fuhren wir zur Deutschen Rentenversicherung. Die Hälfte unserer Reisegruppe sind junge Syrer, die sich noch nicht viele Gedanken über ihre Rente machen. Ich glaube deshalb war dieser Programmpunkt etwas langweilig für uns. Am interessantesten fand ich, dass wir „neu angekommenen“ nach fünf Jahren Einzahlen in die Sozialversicherung auch einen Anspruch auf Rente haben.

Den späten Mittwochnachmittag hatten wir dann für uns. Wir waren kurz am Kurfürstendamm und haben uns dann auf den Weg zur Sonnenallee gemacht, um einen Hauch von Syrien zu erleben. Wir haben gemeinsam syrische Spezialitäten gegessen und das Champions League Spiel zwischen Bayern München und Real Madrid im Café geschaut. Leider hat mein Lieblingsverein Bayern mit 2:1 verloren. Wir sind nach dem Spiel ins Hotel gefahren und müde ins Bett gefallen.

Der Donnerstag begann wieder mit einer interessanten Stadtrundfahrt. Danach waren wir Gäste in der Geschäftsstelle des Bündnis ´90 /Die Grünen. Ich fand das Altbaugebäude sehr schön. Wir haben von Herrn Heinrich über die Geschichte der Partei sehr viel erfahren und durften mit ihm diskutieren. Herr Heinrich ist der Leiter des Büros der Bundesvorsitzenden.

Was mir großen Spaß gemacht hat, war das Planspiel danach. Wir haben Abgeordnete des Bundestags gespielt und mussten über das Thema „Steuern für zuckerhaltige Getränke“ diskutieren. Es war wirklich eine fantastische Spielstunde. Weil ich als Abgeordneter der AFD-Partei zufällig zugeordnet wurde, sollte ich für die Abstimmung „die rote Karte“ (Nein zum Beschluss) heben. Wir haben sehr viel gelacht und Politik darf auch lustig sein.

Danach haben wir die reale Plenarsitzung des Bundestags besucht, aber nun als Gäste. Ich großes Interesse an der politischen Diskussion über Bafög. Die Ideen der Parteien wurden vorgetragen. Der Antrag wurde von der Partei „die Linken“ vorgelegt. Sie fordern „Bafög für alle“. Die Abstimmung haben wir leider nicht mitbekommen. Das Thema interessiert unsere Gruppe sehr, da viele von uns studieren wollen. Im Anschluss trafen wir unsere Gastgeberin Katja Dörner. Sie hat uns herzlich begrüßt und über ihren Werdegang berichtet und danach die Diskussion eröffnet. Danach haben wir mit ihr ein Foto aufgenommen und sind zurück ins Hotel gefahren.

Am letzten Abend haben wir eine Shischa-Bar besucht und saßen mit zwanzig Leuten in einer Runde. Es war sehr heiter. Wir haben miteinander getanzt und einen ausgelassenen Abend gefeiert.

Am Freitag war noch kurzes Programm und dann ging es mit dem Zug zurück nach Berlin. Ich bin sehr froh an dieser Reise teilgenommen zu haben. Besonders die tolle Gruppe hat mir viele Spaß gemacht. Ich habe mehr über Kultur und Politik gelernt und auch eine tolle Freizeit in Berlin gehabt. Ich habe mein Interesse an Politik weiterentwickelt. Ich empfehle jeden an Politik Interessierten an dieser Bildungsreise teilzunehmen.

Ich bedanke mich bei Katja Dörner und Holger Koslowski (Bündnis ´90/die Grünen) sowie Ramy Azrak (Dr. Moroni Stiftung) für die Möglichkeit, dass wir vier Tage in Berlin über die Politik, Geschichte und Kultur der Bundesrepublik Deutschland lernen durften.

 

 

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