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Familienpolitik
20Aug

Kinder im Fokus: Kindergrundsicherung statt Familiensplitting

Ein Debattenbeitrag von Katja Dörner, MdB, kinder- und familienpolitische Sprecherin GRÜNE im Bundestag, und Sven Lehmann, Landesvorsitzender GRÜNE NRW

Nicht nur der Sommer ist endlich heiß, sondern auch die aktuelle Debatte um die Ausweitung des Ehegattensplittings auf eingetragene Lebenspartnerschaften. Heterosexuelle und homosexuelle Paare müssen steuerlich endlich gleich behandelt werden – für diese Selbstverständlichkeit setzen sich Grüne seit jeher mit Verve ein. Aber kann „Ehegatten-Splitting für alle“ der Weisheit letzter Schluss sein? Wohl kaum! Denn die Nachteile des 1958 eingeführten Ehegatten-Splittings, das jährlich zu Mindereinnahmen im Bundeshaushalt von rund 21 Milliarden Euro führt, liegen auf der Hand. Das Ehegatten-Splitting fördert den Trauschein unabhängig davon, ob überhaupt Kinder vorhanden sind. Es begünstigt unverhältnismäßig Ehen, in denen ein Partner alleine viel verdient, und setzt damit Anreize vor allem für Frauen, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, Altersarmut inklusive. Unverheiratete Eltern gehen beim Ehegatten-Splitting sowieso leer aus. Fakt ist: Das Alleinernährer-Modell hat in Deutschland ausgedient. Deshalb muss auch das Ehegatten-Splitting mit seinen falschen Anreizen endlich verschwinden.

In der Diskussion um die Zukunft des Ehegatten-Splittings hat sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel für die Umwandlung in ein Familien-Splitting ausgesprochen. Familien-Splitting: Das klingt erst mal gut, denn es würde nicht mehr bloß der Trauschein steuerlich begünstigt. Aber, Vorsicht an der Bahnsteigkante: Die weiteren, gravierenden Tücken des Ehegatten-Splittings würden gerade nicht beseitigt, sondern fleißig fortgeschrieben. Denn: Auch ein Familien-Splitting unterstützt das Alleinernährer-Modell und befördert gerade nicht eine eigenständige Existenzsicherung. Weiterhin bleiben unverheiratete Eltern unberücksichtigt und es würde zudem Familien mit hohem Einkommen überproportional zu Gute kommen. Die Formel hinter dem Familien-Splitting ist einfach und ungerecht: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuervorteil – bei gleicher Kinderanzahl. Wem es also ernst damit ist, in Deutschland endlich Kinder und Familien finanziell gut und gerecht zu unterstützen und wirkungsvoll gegen Kinderarmut vorzugehen, der kann nicht für ein Familien-Splitting plädieren.

Die aktuelle Kritik am Ehegatten-Splitting sollte für einen radikaleren Schritt genutzt werden. Das Ziel muss sein, die Förderung von Kindern und Familie endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen. Die Ungerechtigkeit, dass über das Steuersystem Familien mit hohem Einkommen überdurchschnittlich profitieren und Familien mit niedrigem Einkommen oder im Bezug von Sozialleistungen in die Röhre gucken, muss ein Ende haben. Kinder reicher Eltern dürfen unserem Staat nicht länger mehr wert sein als andere. Deswegen muss das Ehegatten-Splitting abgeschmolzen und in eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Höchstbetrag überführt werden. Denn nur so entstehen Mehreinnahmen im Bundeshaushalt von rund 14 Milliarden Euro, die konsequent zur Förderung von Kindern und Familien investiert werden können und müssen. Dabei dürfen Investitionen in die Infrastruktur, in Kitas und Schulen, nicht gegen direkte finanzielle Transfers ausgespielt werden – beides ist notwendig, um mehr Chancengleichheit zu schaffen und Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Die grüne Antwort auf Sigmar Gabriels Familien-Splitting muss daher Individualbesteuerung plus Kindergrundsicherung lauten. Die Kindergrundsicherung, die für alle Kinder gleich hoch ist, ist keine zusätzliche Sozialleistung. Vielmehr fasst sie bestehende Steuerfreibeträge für Kinder, Kindergeld und Kinderzuschlag zu einer Leistung zusammen. So kann echte Förderung von Familien mit Kindern und die Bekämpfung von Kinderarmut gelingen sowie ein Meilenstein für eine eigenständige Existenzsicherung gesetzt werden.

28Jun

Rede zum Betreuungsgeld: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest …

Heute wurde in erster Lesung der Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen zum Betreuungsgeld beraten. Das Betreuungsgeld ist eine bildungs- und gleichstellungspolitische Katastrophe. Man muss gar nicht in die Glaskugel schauen, sondern nur nach Thüringen, um zu sehen, wohin ein Betreuungsgeld führt: Weniger Kinder in den Kitas – und zwar auch Geschwisterkinder – und Rückgang der Berufstätigkeit insbesondere der Mütter. Ich habe der CSU geraten, endlich von dem toten Pferd abzusteigen, das sie mit dem Betreuungsgeld reitet. Meine komplette Rede:

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Kurz vor der Debatte war ich zusammen mit Dorothee Bär, Kinder- und Familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion live bei phoenix im Doppelinterview. Wer dieses Interview verpasst hat, kann es sich hier anschauen:

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30Mai

Betreuungsgeld statt mehr für Kitas: Schwarz-gelbe Retro-Familienpolitik

Zum heute vorgestellten 10-Punkte-Plan der Familienministerin zum Ausbau der Kindertagesbetreuung erklärt Katja Dörner, kinder- und familienpolitische Sprecherin:

“Schröders 10-Punkte-Plan ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Der neue Bericht zum Ausbaustand macht deutlich, dass ein Jahr vor Inkraftreten des Rechtsanspruchs alle Alarmglocken läuten müssen. Die jahrelange Vogel-Strauß-Politik der Bundesregierung angesichts des schleppend verlaufenden Kita-Ausbaus rächt sich. Gebraucht wird umgehend ein Sofortprogramm für die Kommunen, deren Bedarf an U-3-Plätzen deutlich über den beim Krippen-Gipfel als Bundesdurchschnitt angenommenen 35 Prozent liegt. Diesen Kommunen muss Schröder umgehend durch zusätzliche Bundesgelder zielgerichtet unter die Arme greifen. Statt aber alles zu tun, um den Ausbau der Kitas und der Tagespflege zu forcieren, kommt Ministerin Schröder mit einem mickrigen Progrämmchen um die Ecke.

Offensichtlich hat die Bundesregierung die Brisanz der Lage noch immer nicht erkannt. Dass die Bundesregierung bereit ist, zukünftig 1,2 Milliarden Euro jährlich für das unsinnige Betreuungsgeld aus dem Fenster zu werfen, aber nur Kleckerbeträge übrig hat, um den Ausbau der Kinderbetreuung zu voranzutreiben, ist unverantwortlich. CDU und FDP haben sich offensichtlich von jeder modernen Familienpolitik verabschiedet und lassen zu, dass die CSU mit dem Betreuungsgeld der gesamten Republik ihr längst überholtes Frauen- und Familienbild aufzwingt.”

10Mai

Kita-Ausbau statt Betreuungsgeld: Rede in der Aktuellen Stunde

Erneut haben wir heute im Bundestag über das unsinnige Betreuungsgeld debattiert. 1,2 Mrd. Euro will sich die Bundesregierung diese Kita-Fernhalte-Prämie kosten lassen. Geld, das an anderer Stelle viel dringender gebraucht wird und viel sinnvoller eingesetzt werden kann: beim Ausbau der Kindertagesstätten.

Hier meine vollständige Rede:

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08Feb

Charta für Familienfreundlichkeit – noch ein zahnloser Tiger

Anlässlich der heutigen Unterzeichnung der “Charta für familienfreundliche Arbeitszeiten”, erklärt Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik:

Die Charta ist eine nette Idee, die wenig Wirkung entfalten wird. Derartige freiwillige Selbstverpflichtungen haben sich in den letzten Jahren als zahnlose Tiger erwiesen. Wenn Gesamtmetall im Vorfeld des Treffens erklärt, 99 Prozent der Unternehmen seien bereits familienfreundlich, zeigt sich, dass die Wahrnehmung der Wirtschaftsverbände und die der Eltern weit auseinander klaffen.

Auch muss nach einer solchen “Es-ist-schon-alles-super-Aussage”, die Bereitschaft zu weiterem Engagement bezweifelt werden. Laut Familienministerium sind nur ein Drittel der Eltern zufrieden mit ihren Arbeitszeiten. Es gibt seitens der Unternehmen keinen Anlass, die Hände in den Schoß zu legen. Statt Erklärungen zu unterschreiben, muss die Bundesregierung durch gesetzliche Maßnahmen Familienfreundlichkeit befördern. Dabei müssen das Rückkehrrecht von einem Teilzeit- auf einen Vollzeitarbeitsplatz und das Recht auf einen Ganztagsplatz in der Kindertagesbetreuung am Anfang stehen.

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