Direkt zum folgenden Bereich:
  1. Hauptnavigation
  2. Inhalt
  3. Themenübersicht
  4. Suche
  5. Links
  6. Adresse



Inhalt

Politisch

Alles schwarz – nur ich bin grün

Trotz – oder vielleicht eher wegen – meiner Westerwälder Heimat, in der gut und gerne 60 Prozent der Leute konservativ wählen, habe ich schon als Jugendliche große Sympathien für linke, grüne Politik gehabt. In meiner Familie wurde viel über Politik diskutiert. Mein Interesse an Politik kommt sicher nicht zuletzt daher. Obwohl auch bei uns daheim die Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler noch mit Zufriedenheit aufgenommen wurde, waren wir nichtsdestotrotz der einzige Haushalt in meinem Heimatdorf, der montags den Spiegel im Briefkasten hatte – fast ein kleiner Skandal! Einer meiner Cousins nahm mich dann erstmals mit zu einem Treffen der Grünen in der Kreisstadt. Ausgangspunkt für mein politisches Engagement war stets der Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können – für mich selbst und für andere. Freiheit und Solidarität in einen gesunden Ausgleich zu bringen – diesen Anspruch habe ich schon immer nur bei den Grünen verwirklicht gesehen. Der alte Spruch auf den Plakaten der Grünen „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ hat mich beeindruckt und ist bis heute ein Leitsatz meiner Politik.

Freischimmversuche
Meine erste politische Aktion – wenn man sie so nennen will – war eine Unterschriften-Kampagne gegen die massive Einschränkung des Asylrechts im Grundgesetz im Frühjahr 1993. Dieses Vorhaben der damaligen Regierung, unterstützt durch die SPD, hat mich zutiefst empört. Damit war mein Weg zu den Grünen vorgezeichnet, für die ich mich zunehmend engagiert habe. Diverse Umzüge und Auslandsaufenthalte haben eine „geregelte und kontinuierliche Parteiarbeit“ aber nicht zugelassen. Die ersten Jahre der rot-grünen Bundesregierung habe ich daher auch von England aus beobachtet. Von „legendären“ grünen Parteitagen, wie dem in Bielefeld zum Kosovo-Beschluss, habe ich in der Zeitung gelesen. Ich erinnere mich aber noch gut an den Wahltag 1998 als endlich, endlich Kohl abgewählt wurde – für mich als damals 23jährige war der Bundeskanzler eine gefühlt immerwährende Blockade, die endlich vom Sockel gestoßen wurde. In der „Baracke“, der ehemaligen Bundeszentrale der SPD, haben junge Grünen und Jusos bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Mit der rot-grünen Bundesregierung habe ich große Hoffnungen verbunden, von denen viele auch erfüllt worden sind. Nicht nur der Atomausstieg, sondern auch ein offeneres, weniger muffiges Deutschland habe ich mir erträumt – mit Änderungen im Staatsbürgerschaftsrecht, dem Atomausstieg, mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft und vielen mehr haben Grüne da Wichtiges bewegt.

Erst nach meinem Studium habe ich in Bonn erste politische Ämter übernommen, zunächst als Mitglied im Kreisvorstand und als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss der Stadt Bonn. Inhaltlich war ich lang vor allem bildungspolitisch bewegt, habe aber auch viel Energie und Zeit in die Weiterentwicklung der grünen Positionen im Bereich der Frauenpolitik und in der Kinder- und Familienpolitik gesteckt. Im Sommer 2004 wurde ich erstmals ins Präsidium der Landesdelegiertenkonferenz in Nordrhein-Westfalen gewählt. Das Präsidium der Landesgrünen ist allerdings nicht mit dem Präsidium anderer Parteien zu verwechseln. Bei uns ist es in erster Linie für die Moderation und den satzungsgemäßen Ablauf der Parteitage zuständig. Der Höhepunkt meiner Präsidiumszeit war ohne Frage die Leitung des Parteitags als Joschka Fischer im Frühjahr 2005 erstmals zur so genannten VISA-Affäre – die sich dann ja als Nicht-Affäre herausstellte – Stellung genommen hat. 300 höchst aufmerksame Journalistinnen und Journalisten auf einem Landesparteitag – das ist bis heute unübertroffen.

Im NRW-Landesvorstand
Sehr bald hat es mich allerdings gereizt, inhaltliche Entscheidungen stärker mitzugestalten. Im Mai 2006 habe ich für Landesvorstand der Nordrhein-Westfälischen Grünen kandidiert und bin auch prompt als ehrenamtliche Beisitzerin in das 8-köpfige Gremium gewählt worden. Im Landesvorstand habe ich mich in erste Linie um Bildungspolitik, um Frauenpolitik sowie um die Kinder- und Familienpolitik gekümmert. In meinen Jahren im Landesvorstand konnte ich maßgeblich an der Weiterentwicklung grüner Positionen in diesen Bereichen mitwirken. Sowohl zur Kinderpolitik als auch zur Familien- und Bildungspolitik haben Landesdelegiertenkonferenzen weit reichende Beschlüsse gefasst. Ich halte nichts von einer Konzeptentwicklung top-down. Deshalb habe ich die Entwürfe für Parteitagsbeschlüsse immer in großen Runden vorbereitet und mit den involvierten Landesarbeitsgemeinschaften, mit der Grünen Jugend und den zuständigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten vordiskutiert. Nach meiner Wahl in den Bundestag im September 2009 habe ich mich entschlossen, nicht erneut zu kandidieren und bin im 2010 aus dem Landesvorstand ausgeschieden. Seit Juni 2014 gehöre ich dem Landesvorstand erneut an.

Seit Januar 2007 bin ich zudem im Vorstand des Bezirksverbandes Mittelrhein, in dem sich die Kreisverbände im Rheinland bis runter (rauf) nach Aachen organisieren. Über den Bezirksverband gewährleisten wir einen guten und kontinuierlichen Austausch zwischen den einzelnen Kreisverbänden. Wir diskutieren programmatische Fragen, die speziell unsere Region betreffen und organisieren Veranstaltungen, die sich mit regionalen Themen beschäftigen. Wichtige Themen waren in den vergangenen Jahren der Braunkohlebergbau und der Bau eines Kohlekraftwerks in Neurath.

Bundestagskandidatur
Im Frühjahr 2008 habe ich lange darüber nachgedacht, für den Bundestag zu kandieren – eine Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht habe, schließlich musste ich davon ausgehen, dass mein bisheriges Leben ziemlich umgekrempelt wird. Der Wunsch, die vielen Anregungen und politischen Projekte, die ich mit den verschiedensten Gruppen in der grünen Partei entwickelt habe, in konkrete Politik umsetzen zu können, war dann aber doch größer als alle Bedenken. Auf der Landesdelegiertenkonferenz am Nikolaustag 2008 bin ich auf den sehr guten fünften Platz der grünen Landesliste gewählt worden, mit 76 Prozent Zustimmung und ohne Gegenkandidatin. Mein Kreisverband Bonn hat mich im April einstimmig zur grünen Direktkandidatin für den Wahlkreis Bonn gewählt. Hier bin ich gegen eine reine „Herrenriege“ angetreten – alle anderen  Parteien schicken deutlich ältere, männliche Kandidaten ins Rennen um das Direktmandat, die zudem alle schon Bundestagsabgeordnete sind – eine Konstellation, die mir im Wahlkampf durchaus ganz besonderen Spaß gemacht hat.

Im Dezember 2012 wurde ich – mit 89 Prozent der Stimmen – erneut für Platz 5 der Landesliste nominiert und gehöre seit Oktober 2013 erneut dem Deutschen Bundestag an. In der Grünen Bundestagsfraktion bin ich seitdem stellvertretende Fraktionsvorsitzende und koordiniere die Bereiche Wissen, Generationen und Gesundheit. Als eine der beiden SprecherInnen der Landesgruppe NRW übernehme ich darüber hinaus eine wichtige Scharnierfunktion zwischen den Grünen in NRW und in der Bundestagsfraktion.

Am 2. Adventwochenende 2016 haben die nordrhein-westfälischen Grünen mir erneut ihr Vertrauen ausgesprochen und mich auf den 3. Platz der Landesliste gewählt. Zusammen mit den Bonner Grünen, die mich erneut für das Direktmandat nominiert habe, kämpfe ich nun für ein gutes grünes Ergebnis in Bonn, in NRW und im Bund.

Am 24. September 2017 wurde ich erneut in den Deutschen Bundestag gewählt.